Ein Streiter gegen das Vergessen: Hartmut Schmidt gestorben

Ein Streiter gegen das Vergessen: Hartmut Schmidt gestorben

Ein Streiter gegen das Vergessen: Hartmut Schmidt gestorben

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Ein Streiter gegen das Vergessen: Hartmut Schmidt gestorben

Der ehemalige Vorsitzende der Frankfurter Initiative Stolpersteine, Hartmut Schmidt, ist tot. Der langjährige Redakteur des Evangelischen Pressedienstes (epd) hatte sich seit der ersten Stolperstein-Verlegung 2003, über die er damals berichtete, für die Erinnerung an das „Menschheitsverbrechen des Holocaust“  eingesetzt. Die mit Messing überzogenen Steine im Bürgersteig mit eingravierten Namen weisen vor vielen Frankfurter Häusern auf die im Nationalsozialismus ermordeten Bewohner hin, oftmals Juden. 

In enger Kooperation mit dem Künstler und Initiator der Stolpersteine, Gunter Demnig, sei es vor allem Schmidts Verdienst gewesen, dass aus der kleinen Nordend-Initiative eine bürgerschaftliche Institution geworden sei, „die als wichtiger Teil der Frankfurter Erinnerungskultur weit über die Stadtgrenzen hinauswirkt“, heißt es im Nachruf der Stolperstein-Initiative. 

Schmidt war Mitglied der St. Petersgemeinde. Pfarrer Andreas Hoffmann, der Hartmut Schmidt gut kannte, würdigte dessen Engagement: „Hartmut hat über 1.000 Stolpersteine in Frankfurt mit begleitet und extrem viel dazu recherchiert. Daraus hat sich mit den Nachfahren ein riesiges Netzwerk ergeben. Auch die Einladungen in Israel haben dies widergespiegelt und so viele sind dankbar.“

In der Petersgemeinde sei Schmidt in seiner Recherche auf den jungen Lux Oswalt gestoßen, der einen beeindruckenden Abschiedsbrief hinterlassen hat. Dieser Brief, den der Verlegersohn einen Tag vor seiner Deportation schrieb, wurde durch den Kontakt zu den Nachfahren öffentlich gemacht und wird auch in der Gedenkstätte der EZB zitiert. „Wir lesen diesen Brief immer mit den Konfirmanden und putzen die Stolpersteine um die Kirche“, sagt Pfarrer Hoffmann. „Hartmut Schmidt hat so vieles ins Bewusstsein gehoben.“

Schmidt, Jahrgang 1942, stammte aus einer fränkischen Pfarrersfamilie. In Berlin studierte er ab 1966 Germanistik und Publizistik und war in den 70ern in der linken Studentenbewegung aktiv. Von 1981 bis 2006 war er Redakteur des epd-Landesdienstes in Hessen. Über den Kontakt zu der Pfarrerin im Ruhestand, Hilde Schneider, die wegen ihrer jüdischen Herkunft deportiert worden war, kam Schmidt 1994 zu seinem Engagement für Erinnerung an die Opfer nationalsozialistischen Judenverfolgung.

So arbeitete er an dem Forschungs- und Erinnerungsprojekt der EKHN mit, das deren Umgang mit Christen jüdischer Herkunft in der NS-Zeit erhellen sollte, und an der Wanderausstellung „Getauft, ausgestoßen – und vergessen?“, zu der auch ein Buch erschien. 2012 erhielt Schmidt für seine Arbeit die Spener-Medaille des Evangelischen Regionalverbands, für seine Verdienste um die Frankfurter Erinnerungskultur 2021 die Ehrenplakette der Stadt Frankfurt.

Seine Krankheit zwang Hartmut Schmidt, sich 2023 aus seinen Projekten zurückzuziehen. Am 15. April ist er im Kreise seiner Familie in Frankfurt gestorben.                                                                          RKS                                                      

 

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